Firmenpleiten in Österreich: Warum immer mehr Verfahren mangels Masse scheitern

14.10.2026
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Ein Stapel Insolvenzakten auf einem Schreibtisch symbolisiert die steigenden Firmeninsolvenzen in Österreich – Foto: myrfa / Pixabay
Foto: myrfa / Pixabay
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In Österreich wurden im ersten Quartal 2026 1.045 Firmeninsolvenzen eröffnet, ein Rückgang gegenüber dem Vorjahresquartal. Gleichzeitig stiegen die Verfahrensabweisungen mangels Masse deutlich an, sodass die Gesamtinsolvenzen zulegten.

Was auf den ersten Blick wie Entspannung aussieht, ist bei genauerem Hinsehen eine Verschiebung: Immer mehr Betriebe sind so leer, dass ein ordentliches Insolvenzverfahren gar nicht mehr möglich ist.

Die Abweisungen mangels Masse stiegen auf 891 Fälle, um rund ein Viertel mehr als im Vorjahr. Zusammengenommen ergeben sich mit 1.936 Verfahren 5,39 Prozent mehr Gesamtinsolvenzen als im ersten Quartal 2025, während die eröffneten Firmeninsolvenzen allein um 7,77 Prozent zurückgingen.

Warum Abweisungen mangels Masse so stark zunehmen

Eine Abweisung mangels Masse bedeutet, dass im Unternehmen kein Vermögen mehr vorhanden ist, um überhaupt ein Verfahren zu finanzieren. Laut der Insolvenzstatistik des AKV Europa für das erste Quartal 2026 deutet der kräftige Anstieg dieser Fälle darauf hin, dass viele Betriebe erst dann aufgeben, wenn nichts mehr zu retten ist.

Nach Angaben des AKV zeigten Januar und Februar 2026 noch Anzeichen einer langsamen wirtschaftlichen Erholung. Der März fiel jedoch mit überdurchschnittlich vielen Fällen aus dem Rahmen und kehrte den positiven Trend wieder um.

Welche Branchen die Insolvenzwelle 2026 trifft

Die Krise verteilt sich breiter als im Vorjahr. Während 2025 noch neun der zehn größten Insolvenzen aus der Immobilienentwicklung stammten, sind es im ersten Quartal 2026 nur noch drei. Dafür rückt die Autozulieferindustrie in den Fokus: Drei der größten Verfahren betreffen die beiden WOLLSDORF-Gesellschaften und die EITEK GmbH.

Beim Automobilzulieferer WOLLSDORF ist laut Unternehmensangaben bereits konzernintern eine Produktionsverlagerung ins Ausland beschlossen, trotz laufender Sanierungsverfahren. Der AKV befürchtet in diesen Fällen den Verlust nahezu sämtlicher Arbeitsplätze.

Die Zahlen hinter den Privatkonkursen

Bei den privaten Insolvenzen zeigt sich ein anderes Bild: Die Zahl der eröffneten Privatkonkurse blieb mit 2.242 Verfahren fast auf Vorjahresniveau, der Rückgang fällt mit 1,06 % gering aus. Deutlich gestiegen sind dagegen die Verbindlichkeiten: Sie erreichten im ersten Quartal 2026 insgesamt 349 Millionen Euro, die durchschnittliche Verschuldung je Fall liegt bei 155.600 Euro.

Ein einzelner Privatkonkurs mit außergewöhnlich hohen Verbindlichkeiten von 54,6 Millionen Euro aus dem Immobilienbereich treibt diesen Durchschnittswert demnach spürbar nach oben. Ohne diesen Einzelfall wäre der Anstieg der Verbindlichkeiten deutlich moderater ausgefallen.

Was Betroffene jetzt wissen sollten

Für Beschäftigte, Gläubiger und Geschäftspartner ergeben sich aus den Zahlen des ersten Quartals 2026 konkrete Punkte, auf die sich ein Blick lohnt:

  • Die Zahl der betroffenen Arbeitnehmer in Firmeninsolvenzen blieb mit 4.252 Personen weitgehend konstant, das Risiko für Beschäftigte ist also nicht gesunken.
  • Die meisten Insolvenzen entstehen weiterhin in der Baubranche, gefolgt von Handel und Gastronomie, wer dort tätig ist, sollte Zahlungseingänge genauer prüfen.
  • Die Autozulieferindustrie gilt mit den Fällen WOLLSDORF und EITEK als neuer Krisenherd, Beschäftigte in dieser Branche sollten Sanierungsverfahren aufmerksam verfolgen.
  • Ein einzelner Großfall kann Durchschnittswerte wie die Verschuldung bei Privatkonkursen stark verzerren, Einzelmeldungen lohnt daher ein zweiter Blick auf die Gesamtzahl.

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