Gasspeicher in Österreich: Nur gut die Hälfte des Gases gehört dem Land

Was bei dieser Zahl fehlt: Nur ein Teil des eingelagerten Gases gehört dem Land selbst, der Rest liegt dort für ausländische Kunden.
Die Gasspeicher der Regierung füllen sich seit Jahren, doch wem das Gas am Ende gehört, bleibt in der offiziellen Darstellung unerwähnt. Genau hier setzt die Aufdeckung an: Zwischen der gemeldeten Füllmenge und der tatsächlichen Verfügbarkeit für Österreich liegt ein erheblicher Unterschied.
Was steckt hinter der 85,4-Prozent-Zahl?
Am 27. Oktober 2026 lagerten in Österreich insgesamt 68 TWh Gas. Bezogen auf den heimischen Jahresverbrauch von 75 TWh ergibt das den vom Minister genannten Wert von 85,4 %. Zum Vergleich: Der EU-Durchschnitt liegt bei lediglich 22,9 %, nur Lettland speichert im Verhältnis zum Verbrauch noch mehr Gas ein. Seit dem Jahr 2007 hat sich das heimische Speichervolumen fast verdoppelt und liegt inzwischen bei 101,6 TWh.
Wem gehört das Gas wirklich?
Von diesem Gas gehören knapp 54 % tatsächlich Österreich. Der Rest, rund 31,5 TWh oder mehr als 46 %, ist Eigentum ausländischer Kunden, vor allem internationaler Gashändler. Nach Angaben der E-Control ist dieses Gas in erster Linie für den Bedarf in Deutschland, Italien und Slowenien bestimmt. Österreich fungiert in diesem Umfang also als Lager für den Bedarf anderer Länder.
Was bedeutet das für die Versorgungssicherheit?
Die staatlich kontrollierte strategische Reserve beträgt 20 TWh. Laut Wirtschaftsministerium reicht diese Menge für etwa ein Viertel des österreichischen Jahresverbrauchs oder für zwei kalte Wintermonate.
Die gesamte EU verzeichnet 2026 die niedrigsten Speicherfüllstände seit 2013.
Das Energielenkungsgesetz räumt dem Staat für den Krisenfall die Befugnis ein, auf Speicherung, Verteilung und Handel von Gas zuzugreifen, und zwar unabhängig von den jeweiligen Eigentumsverhältnissen.
E-Control bestätigt, dass solche Eingriffe in ausländisches Gas im äußersten Notfall im Einklang mit EU-Recht möglich wären. Diese rechtliche Hintertür erklärt, warum die Regierung trotz der Eigentumsverhältnisse von einem guten Polster sprechen kann.
Was Verbraucher wissen sollten
- Der hohe gemeldete Füllstand bezieht sich auf die gesamte Speichermenge, nicht auf österreichisches Eigentum.
- Nur gut die Hälfte des Gases in heimischen Speichern steht Österreich im Normalbetrieb frei zur Verfügung.
- Im Krisenfall könnte der Staat laut Energielenkungsgesetz auch auf ausländisches Gas zugreifen.
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