Adalbert Lechner: Warum Lindt-Chefs nach Umsatzwarnungen gehen müssen

Oktober 2026. Der Verwaltungsrat reagierte damit auf zwei Umsatzwarnungen innerhalb eines Jahres.
Der Fall zeigt einen Mechanismus, der in Konzernspitzen immer wieder greift: Sobald Umsatzwarnungen und ein Kursverfall zusammentreffen, wird die operative Führung ausgetauscht, lange bevor die eigentlichen Probleme gelöst sind.
Was hinter dem Rauswurf steckt
Im ersten Halbjahr 2026 hatte Lindt & Sprüngli die Verkaufspreise im Schnitt um 11,8 % erhöht. Die verkauften Mengen gingen danach deutlich zurück, Konsumenten in Deutschland, der Schweiz und Grossbritannien reagierten empfindlicher auf die höheren Preise als vom Unternehmen erwartet.
Im September 2026 meldete Lindt & Sprüngli einen Umsatzrückgang und senkte die Prognose für das Geschäftsjahr deutlich: Statt eines Wachstums von 4 bis 6 % erwartet der Konzern nun nur noch 0 bis 2 %. Als Gründe nennt das Unternehmen die hohe Preissensibilität der Kunden und die extreme Sommerhitze, die den Absatz zusätzlich belastet habe.
Wie der Mechanismus in Konzernspitzen funktioniert
Der Verwaltungsrat begründet die Entlassung damit, dass das Unternehmen eine neue operative Führung brauche, um zu dauerhaft starkem Wachstum zurückzukehren. Statt einer externen Notlösung greift Lindt & Sprüngli auf eine bewährte Figur zurück: Dieter Weisskopf übernimmt interimistisch die operative Leitung. Weisskopf war bereits von 2016 bis 2022 Konzernchef des Unternehmens.
Ein dauerhafter Nachfolger soll erst im zweiten Quartal 2027 feststehen. Weisskopf erklärt, er wolle sich darauf konzentrieren, das europäische Geschäft wieder auf Wachstumskurs zu bringen. Das Geschäft in Nordamerika und im Asien-Pazifik-Raum läuft nach seinen Angaben bereits besser als in Europa.
Oktober 2026.
Die Zahlen hinter der Entlassung
Die Lindt-Aktie hat seit Jahresbeginn 2026 rund 25 % an Wert verloren, vom Höchststand im Sommer 2025 aus sind es fast zwei Fünftel. Allein am Montag nach der Entlassung Lechners fiel der Kurs zum Börsenstart um weitere 2,4 %. Als Reaktion auf die Absatzprobleme bietet Lindt seit dem Sommer 2026 einzelne Produkte günstiger an und setzt verstärkt auf kleinere Packungen, um der Preissensibilität der Kunden entgegenzukommen.
Was Betroffene wissen sollten
- Mitarbeitende in Deutschland und Österreich bekommen ab dem 26. Oktober 2026 neue Chefs, weil Ali Kulein und Fabian Reinhardt die Posten tauschen.
- Anlegerinnen und Anleger müssen bis mindestens zum zweiten Quartal 2027 mit einem Übergangschef rechnen, bevor ein dauerhafter Nachfolger feststeht.
- Kundinnen und Kunden spüren die Reaktion auf die Absatzkrise bereits an kleineren Packungen und günstigeren Einzelprodukten.
- Der Schwerpunkt der Sanierung liegt auf Europa, da das Geschäft in Nordamerika und im Asien-Pazifik-Raum laut Weisskopf bereits besser läuft.
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