Gerhard Schröder: Dieses Mandat erklärt seine Moskau-Reise an Putins Geburtstag

Gerhard Schröder war am Mittwoch bei der Geburtstagsfeier von Wladimir Putin in Moskau. Der Auftritt des Altkanzlers sorgte in Deutschland für scharfe Kritik. Was dabei bisher wenig Beachtung fand: Schröder ist seit Anfang September Mitglied im Aufsichtsrat der russischen Handelskette Hyperglobus, einer Tochter der deutschen Handelsgruppe Globus.
Welches Mandat steckt hinter der Moskau-Reise?
Nach Angaben von Hyperglobus soll Schröder dort seine internationalen Kontakte und seine politische Erfahrung einbringen. Am Morgen vor der Putin-Feier besuchte er zunächst eine Filiale der Globus-Kette in Moskau, erst danach ging es zur Geburtstagsfeier des Kreml-Chefs.
Nach Kremlangaben habe Putin erst am Mittwochmorgen aus Medienberichten von Schröders Anwesenheit in Moskau erfahren. Der Kreml teilte zudem mit, Putin habe Schröder daraufhin eingeladen.
Wie passt das zu Schröders Russland-Nähe?
Schröder und Putin gelten seit Jahren als eng befreundet. Der Altkanzler engagiert sich seit Langem in russischen Wirtschaftsprojekten, zuletzt brachte Putin ihn im Mai als möglichen Vermittler im Krieg zwischen Russland und der Ukraine ins Gespräch.
Das neue Aufsichtsratsmandat bei Hyperglobus reiht sich in diese Rolle ein: Ein deutscher Ex-Kanzler mit besten Kreml-Kontakten wird für die russische Tochter eines deutschen Konzerns tätig, während die politischen Beziehungen zwischen Berlin und Moskau auf einem Tiefpunkt sind.
- Putin wurde an diesem Mittwoch 74 Jahre alt, Schröder ist 82.
- Schröder sitzt seit September 2026 im Hyperglobus-Aufsichtsrat.
- Nach Angaben von Wolodymyr Selenskyj starben bei einem russischen Großangriff am selben Tag mindestens 25 Menschen, über 100 weitere wurden verletzt.
- Selenskyj bezeichnete den Angriff mit ballistischen Raketen, Marschflugkörpern und Kampfdrohnen als „Geburtstagsgeschenk“ für Putin.
Was sagen die Kritikerinnen zu Schröders Auftritt?
Die politische Kritik an Schröder fiel deutlich aus. Katrin Göring-Eckardt bezeichnete den Besuch als Schande für Deutschland und als Verrat an Europa.
Marie-Agnes Strack-Zimmermann nannte Schröder Deutschlands frechsten Rentner und warf ihm vor, trotz seines Alters und gesundheitlicher Einschränkungen fit genug für eine Reise zu einer Feier des Kreml-Chefs zu sein. Dennis Radtke äußerte sich ähnlich kritisch zu Schröders Auftritt in Moskau.
Was Betroffene wissen sollten:
- Der deutsche Konzernverbund Globus ist damit über seine russische Tochter mit dem umstrittenen Mandat verbunden.
- Schröders Putin-Nähe ist kein neues Phänomen, sondern Teil seiner langjährigen Rolle in russischen Wirtschaftsprojekten.
- Die politische Kritik an Schröder richtet sich sowohl gegen den Besuch selbst als auch gegen sein neues Engagement für ein russisches Unternehmen.
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